Besitzen Sie diesen Inhalt bereits, melden Sie sich an.
oder schalten Sie Ihr Produkt zur digitalen Nutzung frei.

Dokumentvorschau
BBK Nr. 19 vom Seite 923

Benchmarking mit wichtigen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen

Empirische Auswertung nach Größenklassen und Rechtsformen mit elektronischer Arbeitshilfe

Günther H. Krüger

Mit [i]Graumann, Kennzahlen und Kennzahlensysteme, infoCenter NWB OAAAC-40794 betriebswirtschaftlichen Kennzahlen lassen sich die Stärken und Schwächen eines Unternehmens ermitteln und anschaulich darstellen. Während eine einzelne Kennzahl i. d. R. vergangenheitsbezogen ist, erhalten über mehrere Jahre ermittelte Kennzahlen einen dynamischen Charakter. Die Dynamik steigt mit der Anzahl der Jahre, wobei drei Jahre das Minimum sind.

Eine Kennzahl allein bietet allerdings selten eine ausreichende Informationsbasis für die notwendigen unternehmerischen Entscheidungen. Mehrere Kennzahlen dagegen – idealerweise ein unternehmensspezifisch zusammengestelltes Kennzahlensystem – sind ein wesentliches Hilfsmittel bei der Planung und Steuerung von Unternehmen jeglicher Größenordnung und Rechtsform.

Krüger, Benchmarking mit Kennzahlen, Berechnungsprogramm,
Arbeitshilfe NWB YAAAH-89663

I. Überbetrieblicher Vergleich zur Effizienzsteigerung

Beim [i]Grabe/Vanini, Benchmarking, Kostenrechnungs- und Controllinglexikon NWB BAAAD-58109 Benchmarking vergleicht ein Unternehmen seine Werte mit den Werten anderer Unternehmen. Anzustrebendes Ziel ist dabei der (unter vergleichbaren Verhältnissen) beste Wert (Best-Practice). Mithilfe der in diesem Beitrag enthaltenen Datentabellen können die betriebsspezifischen Werte eines Unternehmens mit den Durchschnittswerten von Unternehmen derselben Größenordnung, Rechtsform oder insgesamt verglichen werden, um letztlich zu einer deutlichen Steigerung der Effizienz einzelner betrieblicher Arbeitsabläufe beizutragen.

Hinweis:

Der [i]Krüger, Benchmarking mit Kennzahlen, Berechnungsprogramm, Arbeitshilfe NWB YAAAH-89663 Beitrag wird ergänzt durch eine NWB Arbeitshilfe zur Kennzahlenermittlung (NWB YAAAH-89663). Nach Eingabe der betriebsspezifischen Daten werden die im Beitrag dargestellten Kennzahlen berechnet. Anschließend können die ermittelten unternehmensindividuellen Werte mit den Angaben im Beitrag verglichen und – falls erforderlich – entsprechende Maßnahmen durchgeführt werden. S. 924

II. Datenbasis der Auswertung

Die [i] www.bundesbank.deDatentabellen wurden auf Grundlage der Jahresabschlussstatistik der Deutschen Bundesbank in Frankfurt/Main und eigener Berechnungen erstellt. Da kleinere Unternehmen ihre Jahresabschlüsse vielfach sehr spät erstellen und die Auswertungen der Bundesbank ebenfalls einige Zeit benötigen, liegen derzeit in dieser ausführlichen Form die Daten der Jahre 2016 bis einschließlich 2019 vor.

Die [i]Aufbereitung der Kennzahleneinzelnen Kennzahlen werden dabei wie folgt dargestellt:

  • Am Anfang steht eine kurze Erläuterung zur Kennzahl.

  • Anschließend folgt die zugehörige Datentabelle mit den Werten der Jahresabschlüsse für 2016 bis 2019 sowie eine Spalte, in der die unternehmensspezifischen Werte eingetragen werden können.

  • Abgeschlossen wird die jeweilige Kennzahl mit einer kurzen Analyse des Datenmaterials.

Weichen [i]Abweichungsanalysedie Werte des untersuchten Unternehmens von den Durchschnittswerten ab (gesamt, Größenklasse oder Rechtsform), sollten die Abweichungen analysiert und mögliche Ursachen erforscht werden. Dies gilt natürlich insbesondere bei negativen Abweichungen. Im Rahmen des Benchmarkings sollte sich das Unternehmen an dem besten der drei möglichen Vergleichswerte (Best-Practice) orientieren.

III. Kennzahlen – Gesamt, Größenklasse und Rechtsform

1. Sachanlagen in Prozent der Bilanzsumme

Die [i]Utz/Frank, Sachanlagevermögen (HGB, EStG), infoCenter NWB WAAAE-52633 Sachanlagen umfassen auch die immateriellen Vermögensgegenstände sowie die geleisteten Anzahlungen auf Sachanlagen und Anlagen im Bau. Mithilfe dieser Kennzahl sind das Unternehmerrisiko und die Unternehmensflexibilität einschätzbar. Steigen die Prozentzahl und damit der Anteil des Anlagevermögens am Gesamtvermögen, so steigt auch das Unternehmerrisiko, und die Flexibilität des Unternehmens nimmt im gleichen Maße ab.

Dies [i]Währisch, Leerkosten bei Unterbeschäftigung in der Krise, BBK 9/2021 S. 425 NWB DAAAH-76648 ist deswegen einleuchtend, weil immer mehr Vermögenswerte langfristig gebunden sind und damit der Fixkostenanteil zunimmt. Dies bedeutet, dass bei einem Beschäftigungsrückgang mit ungenutzten Kapazitäten und damit steigenden Leerkosten zu rechnen ist.


Tabelle in neuem Fenster öffnen
Sachanlagen in % der Bilanzsumme
2016
2017
2018
2019
Eigener Wert
Alle Unternehmen
22,5
21,8
21,1
21,2
Unternehmen mit Umsätzen < 2 Mio. €
48,3
46,2
47,8
46,1
Unternehmen mit Umsätzen 2 bis < 10 Mio. €
38,3
32,2
37,0
36,1
Unternehmen mit Umsätzen 10 bis < 50 Mio. €
32,7
31,8
32,7
32,6
Unternehmen mit Umsätzen > 50 Mio. €
21,0
20,3
19,6
19,8
Personengesellschaften
27,9
26,7
26,6
26,6
Kapitalgesellschaften
21,8
21,2
20,4
20,5

Der [i]Nutzung von RationalisierungspotenzialAnteil der Sachanlagen an der Bilanzsumme hat sich im Vergleich 2019 zu 2016 verringert. Daraus ist zu schließen, dass im Sachanlagevermögen Rationalisierungsmöglichkeiten von den Unternehmen genutzt wurden. Diese Annahme wird dadurch bestärkt, dass auch die Abschreibungen (siehe Abschnitt III.11) rückläufig sind. Zu beachten ist aber, dass bei nur geringfügigen Rückgängen der Kennzahlen, wie S. 925beispielsweise bei den Unternehmen mit Umsätzen 10 bis < 50 Mio. €, auch eine Erhöhung der Bilanzsumme Ursache sein kann.

2. Vorräte in Prozent der Bilanzsumme

Zu [i]Willeke, Vorratsvermögen (HGB, EStG, IAS/IFRS), infoCenter NWB LAAAB-14463 den Vorräten gehören die Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, die Bestände an fertigen und unfertigen Erzeugnissen sowie die Handelswaren und geleistete Anzahlungen auf Vorräte. Die Kennzahl zeigt, welcher Anteil der Bilanzsumme in den Vorräten gebunden ist. Soweit in den Vorräten teilfertige Arbeiten (z. B. Bau- und Baunebengewerbe) oder teilfertige Produkte enthalten sind, sollten die hierfür erhaltenen Anzahlungen, die alternativ auch auf der Passivseite ausgewiesen werden können, verrechnet werden. Dies entspricht der heute üblichen Form. Bei den Werten der nachfolgenden Tabelle wurde jedoch keine Verrechnung vorgenommen.


Tabelle in neuem Fenster öffnen
Vorräte in % der Bilanzsumme
2016
2017
2018
2019
Eigener Wert
Alle Unternehmen
12,4
12,2
12,4
12,3
Unternehmen mit Umsätzen < 2 Mio. €
12,9
14,3
12,9
14,3
Unternehmen mit Umsätzen 2 bis < 10 Mio. €
21,1
22,1
22,2
23,1
Unternehmen mit Umsätzen 10 bis < 50 Mio. €
22,6
23,2
22,6
22,6
Unternehmen mit Umsätzen > 50 Mio. €
11,2
10,9
11,2
11,1
Personengesellschaften
20,8
21,2
21,4
21,6
Kapitalgesellschaften
11,2
11,1
11,2
11,1

Der [i]Geringe SchwankungsbreitenAnteil der Vorräte an der Bilanzsumme hat sich in den Berichtsjahren überwiegend nur unwesentlich geändert. Die Schwankungsbreiten sind insgesamt sehr gering (Ausnahme: Unternehmen mit Umsätzen 2 bis < 10 Mio. € mit 2,0 Prozentpunkten und Unternehmen mit Umsätzen < 2 Mio. €). Dies deutet darauf hin, dass sich die Anteile des Vorratsvermögens an der Bilanzsumme an der derzeit optimalen Grenze bewegen.