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StuB Nr. 21 vom Beilage Seite 1

Latente Steuern in der Rechnungslegung

Gesetzliche Anforderungen und Neuerungen sowie Praxisfragen und Handlungsempfehlungen

WP/StB Prof. Dr. Christian Zwirner und WP/StB Dr. Julia Busch

Die Beilage gibt einen Überblick über die Anforderungen an die Bilanzierung, Bewertung und Erläuterung latenter Steuern. Rechtsformspezifische Besonderheiten werden dabei ebenso dargestellt wie die Besonderheiten in der konsolidierten Rechnungslegung. Darüber hinaus werden die Auswirkungen der geplanten Gesetzesänderungen insbesondere durch das Wachstumschancengesetz und das Mindeststeuergesetz dargestellt und praktische Anwendungsfragen – auch auf Basis bereits bestehender steuerlicher Erleichterungen – an Beispielen veranschaulicht.

Happe, Latente Steuern – Berechnungsprogramm, NWB NAAAD-98366

I. Vorbemerkungen

[i]Utz/Frank, Latente Steuern (HGB), infoCenter, NWB QAAAE-60615 Prinz/Kanzler, Handbuch Bilanzsteuerrecht, 4. Aufl. 2021, Rz. 2510, NWB HAAAH-92825 Hoffmann/Lüdenbach, NWB Kommentar Bilanzierung, 15. Aufl. 2023, § 274, NWB SAAAJ-44259 Hoffmann/Lüdenbach, NWB Kommentar Bilanzierung, 15. Aufl. 2023, § 306, NWB AAAAJ-44291 Mit dem bereits durch das BilMoG seit 2010 erfolgten Konzeptwechsel hin zu einer bilanzorientierten Betrachtung haben latente Steuern auch seitdem weiterhin deutlich an Bedeutung in der Bilanzierungspraxis gewonnen. Zwar bestehen zum Teil Erleichterungsmöglichkeiten hinsichtlich der Bilanzierung oder zumindest der Erläuterung latenter Steuern für kleine bzw. mittelgroße Gesellschaften, aber der Anwendungsbereich latenter Steuern wurde deutlich verbreitert und auch die zunehmende Anzahl steuerlicher Spezialvorschriften, die sich auf die steuerlichen Wertansätze auswirken, erhöht die Bedeutung latenter Steuern. Aktuelle steuerliche Neuerungen führen hierbei zu einem immer weiter voranschreitenden Auseinanderfallen von Handels- und Steuerbilanz. Die Regelungen zu latenten Steuern sind zwar rechtsformneutral formuliert, dennoch bestehen zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen Kapitalgesellschaften und Personengesellschaften, die bei der Bilanzierung und Bewertung zu zusätzlichen Herausforderungen führen. Im Konzern treffen die bereits auf Ebene des Jahresabschlusses bestehenden Herausforderungen auf die zusätzlichen Anforderungen der konsolidierten Sichtweise einschließlich der erforderlichen Konsolidierungsmaßnahmen. Dabei sind latente Steuern in aller Regel keine unwesentlichen Posten, sondern können die Vermögens- und auch die Ertragslage von Unternehmen und Konzernen erheblich beeinflussen.

Aktuell gewinnen latente Steuern in mehrfacher Hinsicht an Bedeutung: Einerseits führen die Bestrebungen des Gesetzgebers, zur Abmilderung der Folgen der Krisen in den letzten Jahren positive Impulse für die Entwicklung der Wirtschaft zu setzen, zu Änderungen hinsichtlich der steuerlichen Regelungen bei der Nutzung von Verlusten, die Auswirkungen auf latente Steuern haben. Beispielhaft sind hier die aktuell geplanten Änderungen durch das Wachstumschancengesetz bei der Verlustverrechnung zu nennen. Andererseits werden aufgrund der Mindestbesteuerungsrichtlinie, die eine globale Mindestbesteuerung sicherstellen soll, Änderungen an den gesetzlichen Grundlagen zu latenten Steuern vorgenommen und neue Herausforderungen entstehen. Daneben treten die zahlreichen steuerlichen Erleichterungen, wie bspw. Regelungen zur digitalen Sofort-Abschreibung oder zur Wiedereinführung der degressiven Abschreibung, die rein steuerliche Vorschriften darstellen und keine Anwendung im Handelsrecht finden.